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Die Wunde, die noch nicht geschlossen ist.

Mo., 17. Jul. 2017

Die Geschichte führt uns zurück und erzählt von dem, was vor Jahrzehnten in einem heute idyllischen Waldstück in der Heide geschah. Millionen Besucher sahen die Bilder und hörten die schockierenden Geschichten der Menschen, die an diesem Ort gefoltert wurden und ums Leben kamen. Das ist Stammlager Stalag XI C (311), befindet sich 55 KM nordlich von Hannover in der Nähe von Belsen.

Gegen 9:00 Uhr fahren wir mit dem Bus zur Bergen-Belsen Gedenkstätte. Der Ort ist ruhig. Es gibt ein paar Leute, die sich wie wir für das interessieren, was hier passierte. Jetzt sind nur noch Steine und Bäume da, als Zeugen der Geschichte. Umrisse
„Am Anfang war dieses Stalag eine Unterkunft für Arbeiter. Dann wurde es von Nationalsozialisten als KZ benutzt“ sagt Henning* unser Begleiter. Er zeigt uns Fotos und Dokumentationen, damit wir mehr verstehen können. Dr. Fréjafon, ein französischer Häftling, schrieb im Januar 1945 einen Bericht, darin steht wie viele Häftlinge und aus welchen Ländern im Lager gelebt haben. Die Menschen wurden nach Nationalitäten, Religion und politischer Gesinnung in Unterkünfte aufgeteilt. Jeder Häftling bekam nach der Aufteilung eine bestimmte Farbe und ein Zeichen.

Der Krieg und seine Tragödie. Seit zwei Jahren versuche ich immer den Krieg zu vergessen. Doch ist er jetzt wieder vor mir. Er ist derselbe irgendwann, irgendwo.
“Mir geht`s gut, euch auch hoffe ich. Päckchen sind hier empfangbar.” Die meisten Briefe der Häftlinge lesen sich so. Briefe im Lager Bergen-Belsen durften nur 35 Wörter lang sein und mussten auf Deutsch geschrieben werden. Hans, 17 Jahre alt, beschrieb in seinem Brief seine Gefühle, seine Situationen und seine Bedürfnisse. In 35 Wörtern, auf Deutsch. Niemand wusste ob die Briefe je ihre Adressaten erreichen würden.
Draußen fliegen meine Gedanken mit den Vögel und meine Vorstellungen wandern im Ort. Ich starre den Horizont an und versuche dieses Unglück nachzuvollziehen.

Hennings Stimme bricht meinen Nachdenken: Hier waren die Baracken, die Toiletten, die Zäune und die Wachtürme. In vielen Baracken lebten zahlreiche Menchen, die aus verschiedenen Ländern kamen. Ich frage mich, zeugen diese Bäume von dem Leid der Häftlinge? Ist ihr Blut mit dem Erdboden vermischt?
Auf dem weitläufiegen Friedhof sind Grabsteine verteilt. Die Toten im KZ wurden nach der Befreiung durch britische Soldaten anonym in den Massengräber beerdigt. Es ist unvorstellbar. Da ist der Grabsteins Anne Franks, die Arme schrieb: „Ich suche dauernd nach einem Mittel, um so zu werden, wie ich gern sein würde und wie ich sein könnte“
Wir sind in der Ausstellung. Henning weckt mich aus meinen Gedanken. Unzählige Fotos, Dokumente, Interviews, Filme und Berichte versuchen zu erklären, was hier passierte.
Heutezutage erleben Menschen ähnliche Gewalt durch den IS und anderen terroristischen Gruppierungen in den Kriegsgebiete.

Das wird nie wieder passieren, sagte Marianne. Ja, ich stimme ihr zu. Wir müssen und werden gemeinsam gegen solche menschenverachtende Ideologien kämpfen und uns für unsere vielfaltige bunte Gesellschaft einsetzen.

Mohamed Hussein und Ahmed Alloush.

*Der Name wurde geändert.




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